



im zug. die landschaft flog am fenster vorbei und das dumpfe rattern gab dem tag den rhythmus. er war eingeschlafen. konnte nicht sehen, dass gerade einige neue fahrgäste zugestiegen waren. konnte seine tasche nicht von dem platz neben sich nehmen. obwohl jetzt leute standen.
der zug durchfuhr ein flaches land mit wenigen bäumen, braun, herbstbraun. monoton zogen die bilder vorbei, einzige lichtpunkte waren hin und wieder bunte autos, die an schranken warteten oder parallel zur schiene in richtung süden fuhren. süden. das war sein ziel. und gerade jetzt, als der zug unter einer breiten autobahn brücke verschwand, träumte er davon anzukommen. endlich. er stellte sich vor, wie es sein würde. alle würden sie am bahnsteig stehen, mit erwartungsvollen gesichtern, mit leuchtenden blicken würden sie auf den zug starren, um dann, wenn sie endlich seine silhouette erkennen würden, gleichzeitig in seine richtung zu stürzen, jeder würde zuerst mit seiner begrüßung und seinen fragen über die reise dransein wollen. und er, nun, er würde natürlich zuerst der mutter in die arme fallen, wie es sich gehört, wenn man als sohn nach solanger zeit endlich wieder ankommt; heimkehrt. der verlohrene sohn – ts- er mußte lächeln, noch immer hielt er die augen geschlossen, wenn er an diesen auspruch seines besten freundes dachte. das war ja wohl doch ein wenig übertrieben.
er öffnete die augen. der tag neigte sich dem ende zu, und mit der zunehmenden dunkelheit begann sich sein gesicht immer stärker im fenster zu spiegeln. zum ersten mal seit langem betrachtete er sich selbst.
es war ihm nie aufgefallen, dass seine mundwinkel für gewöhnlich dazu neigten, nach unten zu hängen.
andererseits fand er diesen einschlag ins nachdenkliche, der dadurch angedeutet wurde, als ziemlich passend zu seiner persönlichkeit.
wie ihn wohl die anderen in erinnerung haben würden? etwa als rundlichen sechzehnjährigen mit fettig-langen haaren und zerissenen hosen, außerdem mit einem seltsamen hang zu wenig aussagekräftigen aussagen?
sollten sie! es wäre ihm nur recht. dann würde die verblüffung ob seiner sportlichen statur und der durchaus reflexionsfähigen persönlichkeit nur noch größer sein. er war schon immer gut in überraschungen gewesen, dachte er jedenfalls.
